Erstes Kapitel.
Allgemeine Betrachtungen.
Die Vorstellung, nach der die Molecüle eines im molecu-laren Gleichgewicht befindlichen Körpers in Ruhe verharren und nach der die Unverändeiiichkeit der Abstände der Molecüle von einer abstossenden Kraft herrühren soll, ist allgemein aufgegeben worden. Sie war auch gegenüber den aus dem Princip von der Erhaltung der Kraft abgeleiteten Consequenzen nicht mehr haltbar. Denn, wenn auch die mechanische Wärme-theorie, um sich von einer jeden Hypothese frei zu halten, die eigentliche Natur der Körper, auf die sich ihre Gesetze erstrecken, unbestimmt lässt, so ist doch die Annahme einer abstossenden Kraft zwischen den Molecülen, besonders bei Gasen, mit dem genannten Princip, dem Begriff von Arbeit, von potentieller und kinetischer Energie und der Aequivalenz von Arbeit und Wärme nicht in Einklang zu bringen.
Wird ein Massenpunkt von einem anderen mit einer Kraft = /*(r)angezogen, so wird, wenn der Abstand von r0
'•i auf r-j wächst, eine Arbeit =//'(r) dr verrichtet sein. Wir
'fo
sagen alsdann, dass eine ebenso grosse potentielle Energie gewonnen ist; während die Mechanik lehrt, dass eine äquivalente Grosse kinetischer ..Energie verloren ging. Umgekehrt, entfernt sich ein Punkt unter dem Einfluss einer abstossenden Kraft, so geht eine gewisse potentielle Energie verloren, dafür tritt aber eine äquivalente Menge kinetischer Energie auf.
Endlich lehrt die Physik, dass da, wo verrichtete Arbeit in neu erzeugter kinetischer und potentieller Energie nicht vollständig wiedergefunden wird, der übrige Theil eine äquivalente Wärmemenge hervorbringt.
van der Waals, Gasförmiger und flüssiger Zustand. 2. Aufl. l